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Tagebücher

Was ist ein Tagebuch? Definition und Geschichte

Was ein Tagebuch ist, was es vom Journal unterscheidet und wozu es gut ist. Dazu die Geschichte in fünf Stationen, von Sei Shōnagon bis Pennebaker, und eine Checkliste für deinen ersten Eintrag.

Von Marina8 Min. Lesezeit
Ein aufgeschlagenes, leeres Notizbuch mit Stift und zwei Bleistiften auf einem Holzschreibtisch
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Ein Tagebuch ist ein Heft, ein Buch oder eine App, in die du regelmäßig und mit Datum schreibst, was du erlebst, denkst und fühlst. Für dich, nicht für ein Publikum.

Hier findest du die Definition, den Unterschied zum Journal, wozu ein Tagebuch gut ist und seine Geschichte in fünf Stationen. Am Ende steht eine Checkliste, mit der du heute Abend deinen ersten Eintrag schreibst.

Was ist ein Tagebuch?

Ein Tagebuch sammelt datierte, persönliche Einträge über eine längere Zeit. Du schreibst in der Ich-Form, und meist liest niemand außer dir mit.

Der Duden kennt drei Bedeutungen: das persönliche Tagebuch für Erlebnisse und Gedanken, ein Buch für laufende dienstliche Einträge und eines für die Buchführung. Wenn wir heute „Tagebuch führen“ sagen, meinen wir fast immer das erste.

Was ein Tagebuch ausmacht:

  • Ein Datum über jedem Eintrag. Erst dadurch wird aus Notizen ein Verlauf.
  • Die Ich-Form. Du schreibst aus deiner Sicht, subjektiv und ehrlich.
  • Regelmäßigkeit. Täglich oder nicht, aber immer wieder.
  • Nur für dich. Du darfst ungerecht, wütend oder albern sein.

Das Medium ist zweitrangig. Ein Notizbuch, eine Notiz-App oder eine Tagebuch-App, alles zählt. Einen Überblick über die vielen Formen, vom Traum- bis zum Reisetagebuch, findest du in Welche Arten von Tagebüchern gibt es?

Tagebuch oder Journal: Was ist der Unterschied?

Eine feste Grenze gibt es nicht. „Journal“ geht auf das französische jour, „Tag“, zurück, „Tagebuch“ ist schlicht das deutsche Wort dafür. Im Alltag verwenden viele die beiden Wörter gleichbedeutend.

Seit „Journaling“ aus dem Englischen zu uns gekommen ist, hat sich trotzdem ein Unterschied im Gebrauch eingespielt:

Tagebuch Journal
Worum es geht Was heute passiert ist und wie es dir damit ging Ein Ziel: Gedanken sortieren, Dankbarkeit, Muster erkennen
Rhythmus Oft täglich, chronologisch Wenn es passt, auch wöchentlich
Einstieg Leere Seite, „Heute war …“ Häufig eine Frage oder ein Schreibimpuls
Form Fließtext Auch Listen, Stichpunkte, Tabellen
Typische Beispiele Kindheitstagebuch, Reisetagebuch Dankbarkeitstagebuch, Bullet Journal, Morgenseiten

Ob du dein Heft Tagebuch oder Journal nennst, ist am Ende Geschmackssache. Entscheidend ist, wofür du schreibst.

Wozu ist ein Tagebuch gut?

Für fünf Dinge vor allem: Erinnern, Ordnen, Muster sehen, Ziele klären und das Gute bemerken. Fang mit einem davon an.

Wenn du … dann schreib … Startsatz
dich später erinnern willst was passiert ist, mit Details: Ort, Menschen, ein Satz, der gefallen ist „Heute war …“
deinen Kopf freibekommen willst was dich gerade beschäftigt, ohne zu sortieren „Mich beschäftigt gerade …“
Muster erkennen willst jeden Tag dieselben zwei, drei Dinge, etwa Stimmung, Schlaf, Energie „Stimmung heute: … weil …“
klarer sehen willst, was du willst Wünsche und was dich davon abhält „In einem Jahr wäre ich froh, wenn …“
das Gute bemerken willst drei Dinge, die heute gut waren „Heute war gut, dass …“

Ein paar Hinweise dazu:

  • Ordnen ist der Teil, zu dem es die meiste Forschung gibt. Was sie zeigt und was nicht, steht unten bei Pennebaker.
  • Muster siehst du erst nach ein paar Wochen. Lies dafür einmal im Monat zurück.
  • Wünsche aus dem Tagebuch sind ein guter Ausgangspunkt für ein Vision Board. Wie du daraus eins machst, steht in Vision Board erstellen.
  • Das Gute bemerken hat eine eigene Form, das Dankbarkeitstagebuch. Wie du es führst, liest du in Wie führst du ein Dankbarkeitstagebuch?

Wie ist das Tagebuch entstanden?

Einen Erfinder gibt es nicht. Notizen über den eigenen Alltag halten Menschen seit mindestens tausend Jahren fest. Fünf Stationen zeigen, wie aus Aufzeichnungen für sich selbst ein Werkzeug zur Selbstreflexion wurde.

Wann Wer Was daran neu war
um 1000 Sei Shōnagon, Hofdame in Kyōto Persönliche Notizen, Listen und Urteile über den Alltag am Hof
1660–1669 Samuel Pepys, Beamter in London Ein Tagebuch über neun Jahre, Tag für Tag, in Kurzschrift
1942–1944 Anne Frank, Amsterdam Ein Tagebuch, das sie selbst für Leser überarbeitete
1966 Ira Progoff, New York Das Tagebuch als Methode zur Selbstreflexion
1986 James Pennebaker und Sandra Beall, Texas Schreiben über Belastendes im Experiment

Um das Jahr 1000: Sei Shōnagon

Die japanische Hofdame Sei Shōnagon diente um das Jahr 1000 der Kaiserin Teishi. Ihr Kopfkissenbuch (Makura no Sōshi) ist kein Tagebuch im strengen Sinn, eher eine Sammlung: Listen wie „Dinge, die das Herz schneller schlagen lassen“, kleine Szenen, spitze Urteile über andere. Gedacht war es nicht für fremde Augen. Gelesen wird es bis heute (Britannica).

1660 bis 1669: Samuel Pepys

Der Londoner Marinebeamte Samuel Pepys schrieb vom 1. Januar 1660 bis zum 31. Mai 1669 fast täglich, in Kurzschrift. Darin stehen die Pest von 1665 und der Große Brand von London 1666, aber auch Streit mit seiner Frau und was es zum Abendessen gab. Er hörte auf, weil er fürchtete zu erblinden. Entziffert und gedruckt wurde das Tagebuch erst 1825, zunächst gekürzt (Magdalene College Cambridge).

1942 bis 1944: Anne Frank

Anne Frank bekam ihr Tagebuch zum 13. Geburtstag, am 12. Juni 1942. Im Versteck in Amsterdam schrieb sie bis zum 1. August 1944, drei Tage vor der Verhaftung. Nachdem ein niederländischer Minister 1944 im Radio dazu aufgerufen hatte, Tagebücher aus der Kriegszeit aufzuheben, begann sie, ihre Einträge für ein späteres Buch zu überarbeiten. Ihr Vater Otto Frank gab es 1947 heraus (Anne Frank Haus).

1966: Ira Progoff

Der New Yorker Psychotherapeut Ira Progoff machte 1966 seine Intensive Journal-Methode öffentlich zugänglich, in Workshops seines Dialogue House. Neu war die Struktur: Statt nur festzuhalten, schreibst du in festen Abschnitten über dein Leben und führst sogar Dialoge mit Menschen, Ereignissen oder deinem Körper. Das Grundlagenbuch At a Journal Workshop erschien 1975. Wie die Methode funktioniert, liest du in Was ist die Tagebuch-Methode von Dr. Ira Progoff?

1986: James Pennebaker

Der Psychologe James Pennebaker und Sandra Beall ließen 46 Studierende an vier Tagen hintereinander je 15 Minuten schreiben, einen Teil über ein belastendes Erlebnis, die anderen über Belangloses (Pennebaker & Beall 1986, Journal of Abnormal Psychology). Wer über das Erlebnis und die eigenen Gefühle dazu schrieb, ging in den folgenden sechs Monaten seltener ins Gesundheitszentrum der Uni. Damit begann die Forschung zum „expressiven Schreiben“.

Was die Studie nicht zeigt:

  • Dass jedes Tagebuch gesund macht. Es waren wenige Studierende, eine kurze Schreibphase und ein eng umrissenes Thema.
  • Dass es sich sofort gut anfühlt. Direkt nach dem Schreiben hatten genau diese Teilnehmenden höheren Blutdruck und schlechtere Laune als die anderen.
  • Wie groß der Effekt ist. Eine Auswertung von 146 Studien fand im Schnitt einen kleinen, aber messbaren Effekt (Frattaroli 2006, Psychological Bulletin).

Wenn du über Schweres schreibst, nimm dir nicht zu viel auf einmal vor. Was dir dabei hilft und wann du lieber aufhörst, steht in Schreibpraktiken als Weg, sich selbst zu verstehen.

Was gehört in einen Tagebucheintrag?

Ein Datum, die Ich-Form und ein Erlebnis mit dem, was du dabei gedacht und gefühlt hast. Mehr Regeln gibt es nicht. Brauchst du die Merkmale für die Schule? Hier sind sie auf einen Blick:

Merkmal So sieht es aus
Datum oben, oft mit Ort oder Uhrzeit: „Dienstag, abends, Küche“
Ich-Form „Ich habe heute …“
Subjektiv deine Sicht, deine Bewertung, kein neutraler Bericht
Gefühle und Gedanken nicht nur was passiert ist, auch wie es dir damit geht
Zeitform Erlebtes in der Vergangenheit, was du jetzt fühlst, in der Gegenwart
Sprache locker, Umgangssprache erlaubt
Anrede „Liebes Tagebuch“ geht, muss aber nicht sein

Wie fängst du mit dem Tagebuchschreiben an?

Mit einem festen Moment, fünf Minuten und einem Startsatz. Diese Checkliste reicht für die ersten zwei Wochen:

  • Wähl ein Ziel aus der Tabelle oben. Eins reicht.
  • Wähl dein Medium: ein Heft, das du gern aufschlägst, oder eine App, wenn dein Handy ohnehin neben dir liegt.
  • Häng das Schreiben an etwas, das du sowieso tust: nach dem Zähneputzen, zum ersten Kaffee, im Zug.
  • Stell dir einen Timer auf fünf Minuten. Hörst du danach auf, ist das in Ordnung.
  • Schreib das Datum oben hin und dann deinen Startsatz.
  • Nicht korrigieren. Stichpunkte sind genauso gut wie ganze Sätze.
  • Verpasste Tage einfach weglassen. Kein Nachholen, kein schlechtes Gewissen.
  • Nach einem Monat zurücklesen und notieren, was dir auffällt.

Wenn du lieber mit Fragen schreibst, findest du in den Methoden für dein Tagebuch Listen, Briefe und Mindmaps zum Ausprobieren. Einen Monat lang Dankbarkeit üben kannst du mit den 30 Dankbarkeits-Prompts.

Das Dankbarkeitstagebuch in der VISIYA-App auf dem iPhone: ein Eintrag mit Foto und drei Dingen, für die man heute dankbar ist, dazu Stimmung und Tags

In VISIYA ist das Tagebuch ein Dankbarkeitstagebuch für iPhone und iPad. Kostenlos nutzt du es mit beliebig vielen Einträgen und den ersten beiden Schreibimpulsen, dazu Stimmung, Tags, Kalender, „Deine Erfolge“ und eine tägliche Erinnerung. Mit VISIYA Plus kommen Bilder in deinen Tagebucheinträgen und Schreibimpulse ab dem dritten dazu.

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Fang klein an. Ein Datum und ein Satz sind schon ein Tagebuch.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Tagebuch?

Ein Buch, Heft oder eine App, in die du regelmäßig und mit Datum aufschreibst, was du erlebst, denkst und fühlst. Du schreibst es für dich selbst, nicht für andere. Das Wort Tagebuch steht im Duden auch für Bücher mit dienstlichen oder geschäftlichen Einträgen, im Alltag meint man aber fast immer das persönliche Tagebuch.

Was ist der Unterschied zwischen Tagebuch und Journal?

Eine feste Grenze gibt es nicht, beide Wörter meinen dasselbe Heft. Im heutigen Sprachgebrauch hält ein Tagebuch eher fest, was passiert ist und wie es dir damit ging. Ein Journal hat oft ein Ziel: Gedanken sortieren, Dankbarkeit üben, Muster erkennen, gern mit Schreibimpulsen und nicht unbedingt jeden Tag.

Seit wann gibt es Tagebücher?

Einen Erfinder gibt es nicht. Ein frühes, bis heute gelesenes Beispiel ist das Kopfkissenbuch der japanischen Hofdame Sei Shōnagon, um das Jahr 1000 geschrieben. In Europa ist das Londoner Tagebuch von Samuel Pepys aus den Jahren 1660 bis 1669 berühmt, im 20. Jahrhundert das von Anne Frank. Seit den 1960er-Jahren wird das Tagebuch auch gezielt zur Selbstreflexion eingesetzt.

Was gehört in einen Tagebucheintrag?

Datum, oft auch Ort oder Uhrzeit. Du schreibst in der Ich-Form, persönlich und ehrlich, über ein Erlebnis und darüber, was du dabei gedacht und gefühlt hast. Erlebtes steht meist in der Vergangenheit, Gefühle im Moment des Schreibens in der Gegenwart. Eine Anrede wie Liebes Tagebuch ist erlaubt, aber kein Muss.

Wie lange sollte ich Tagebuch schreiben?

Fünf bis fünfzehn Minuten reichen. In der bekanntesten Schreibstudie von Pennebaker und Beall schrieben die Teilnehmenden 15 Minuten an vier Tagen hintereinander. Wichtiger als die Länge ist, dass du dranbleibst. Drei Sätze an einem vollen Tag zählen auch.

Muss ich gut schreiben können, um Tagebuch zu führen?

Nein. Niemand liest mit, Rechtschreibung und schöne Sätze sind egal. Stichpunkte, Listen oder halbe Sätze sind genauso ein Tagebuch. Ob du frei schreibst oder mit einer Frage startest, entscheidest du: Fällt dir nichts ein, hilft ein Schreibimpuls, sprudelt es, schreib einfach los.

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